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Kulturmagazin mit Charakter

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Foto © Pedro Malinowski

Aktuelle Aufführungen

Kantate zur Weihnacht

CANTATE POUR LE TEMPS DE NOEL
(Frank Martin)

Besuch am
4. Dezember 2016
(Einmalige Aufführung)

 

 

Chorwerk Ruhr, Konzert-Theater Coesfeld

Es weihnachtet überall – was ja auch Sinn der Adventszeit ist. Unter den vorweihnachtlichen Konzerten, zwischen dem Verkaufsgeklingel, Stimmungsgedudel, den Endlosschleifen von Jingle Bells und dem beliebten Quempas-Singen des örtlichen Kirchenchores gibt es noch einige musikalisch besonders glänzende Perlen. Hierzu gehören zweifellos die anspruchsvollen Aufführungen des ChorWerks Ruhr, das mit zwei ausgefallenen Kompositionen zu einem adventlichen Konzert im Konzert-Theater Coesfeld gastiert.

Im ersten Teil kommt Franz Schuberts Messe in G-Dur zur Aufführung, im zweiten Teil präsentiert das Chorwerk Ruhr die Kantate für die Weihnachtszeit von Frank Martin und bietet den Zuhörern eine modernere Komposition, die knapp 100 Jahre später als Schuberts Messe 1929/30 entstand. Schuberts Komposition ist eine seiner frühen Messen, die er auf ihre liturgische Funktion beschränkte und als Missa brevis komponierte. Im Unterschied zu seinen späteren Konzert-Messen bleibt die G-Dur-Messe ein eher liedhaft-schlichtes Werk.

POINTS OF HONOR
Musik
Gesang
Regie
Bühne
Publikum
Chat-Faktor

Für die durchaus bekannten Klänge der Schubert-Messe wählt Florian Helgath ein eher verhaltenes Tempo, das Orchester hält er weitgehend im Hintergrund. So kann der Chor sein erstaunliches Stimmvolumen einsetzen. Mit weichen, genauen Einsätzen und zurückhaltenden Phrasierungen gelingt dem Chor ein emotional warmer Klang, Forte-Stellen bleiben kurz und verhalten. Im Gloria zeigt der Chor seine Fähigkeit, auch dynamisch-jubelnd zu artikulieren, mit ausgezeichneten Solisten folgt ein Terzett, Chor und Orchester bringen ein stimmungsvolles Hosanna, ehe die Messe mit einem klangvollen Agnus Dei ausklingt. Bei den harmonisch-warmen, oft berührenden Klängen des romantischen Musikausdrucks, den Schubert hier wählt, überzeugen die Solostimmen, deren klarer Klang und Ausdrucksstärke beeindruckt und berührt. Besonders die Sopranistin Cécile Lohmuller darf sich später über ausgiebigen Applaus freuen.

Florian Helgath - Foto © Pedro Malinowski

Für den zweiten Teil des Abends greift Florian Helgarth auf die Cantate pour le temps de noël von Frank Martin zurück, die erst nach Martins Tod 1994 ihre Uraufführung erlebte. Diese Kantate, nur als Fragment überliefert, ist für Solisten, Chor, Streichorchester, Cembalo und Orgel gesetzt und überrascht durch ihren modernen Charakter. In die Kantate eingefügt erklingen einige bekannte Weihnachtschoräle wie Macht hoch die Tür, Maria durch ein Dornwald ging und das volksliedhafte Es ist ein Ros´entsprungen. Sie verstärken die adventliche Atmosphäre dieses Spätnachmittags.

In der immer wieder gelobten Akustik des Konzert-Theaters entfaltet der Chor eine hell klingende, moderne Musik erzählenden Charakters. Solopartien und rezitativähnliche Passagen entfalten ein umfangreiches Klanggebäude, dem der Chor mit wenigen knappen, aber sehr genauen Akzenten wechselnde Farben verleiht. Vor dem Hintergrund der Orchestermusik des Hamburger Ensembles Resonanz oder entfernter Orgelklänge präsentieren Florian Helgath und sein Chorwerk Ruhr mit seinen etwa 30 Mitgliedern ein Adventsprogramm mit besonderem Anspruch. Den professionellen und je nach Projekt ausgewählten Sängerinnen und Sängern eines größeren Pools ausgebildeter Sänger gelingt es ohne Mühe, die Zuhörer von ihrer professionellen Qualität und ihrer Freude am Musizieren zu überzeugen und musikalisch gefangen zu nehmen.

Ein von Musik erfülltes und adventlich gestimmtes Publikum bedankt sich mit ausführlichem Beifall und darf als Zugabe noch einmal einer zarten Version des Es ist ein Ros`entsprungen lauschen.

Horst Dichanz